Neben den Switches prägen die Keycaps am stärksten, wie sich eine mechanische Tastatur anfühlt und anhört. Fast alle Sets bestehen aus einem von zwei Kunststoffen: PBT oder ABS. PBT glänzt langsamer, ABS ist kratzfester und zeigt besonders kräftige Farben. Ob sich ein Set glatt oder rau anfühlt, hängt dagegen nicht vom Material ab, sondern von der Spritzgussform. Genauso wichtig wie das Material ist das Verfahren, mit dem die Beschriftung auf die Taste kommt – von Double-Shot über Dye-Sub bis zum einfachen Aufdruck. Hier erfährst du, worin sich PBT und ABS unterscheiden, wie die Legenden-Verfahren funktionieren und welche Keycaps zu dir passen.
ABS und PBT: die beiden Keycap-Kunststoffe
ABS steht für Acrylnitril-Butadien-Styrol, PBT für Polybutylenterephthalat. Beide Kunststoffe sind für Keycaps seit Jahren bewährt, und aus beiden entstehen hochwertige Sets. Sie unterscheiden sich vor allem im Klang, darin, wie schnell sie Glanz bekommen und wie kratzfest sie sind, und darin, welche Beschriftungsverfahren sich mit ihnen gut umsetzen lassen.
ABS Keycaps: farbstark, kratzfest, ideal für Double-Shot
ABS ist günstig in der Herstellung und seit Jahrzehnten das Standardmaterial für Tastaturgehäuse und Keycaps. Es ist eher kratzfest und kann grelle, intensive Farben und ein tiefes Schwarz besonders gut darstellen. Mit der Zeit werden die Tasten, auf denen du am meisten tippst, glatter und glänzender – in der Community heißt das Shine. ABS bekommt diesen Glanz in der Regel schneller als PBT. Das ist normaler Verschleiß und kein Mangel, auch bei hochwertigen Sets. Die Beschriftung von Double-Shot-Caps bleibt davon unberührt.
Lösungsmittel wie Aceton greifen ABS an – die haben an deinen Keycaps nichts verloren.
Seine große Stärke spielt ABS in der Fertigung aus: Es schwindet beim Abkühlen in der Form nur wenig. Deshalb ist es der bevorzugte Kunststoff für Double-Shot-Keycaps und auch für lange Tasten wie die Leertaste gut geeignet. Bei MonacoKeys sind alle ABS-Sets Double-Shot oder UV-Druck – zum Beispiel das KKB Dolch in Double-Shot-ABS. Das MK White on Black ist bewusst aus ABS, weil ABS ein tieferes Schwarz hat als PBT.
Warum ABS in der Custom-Keyboard-Szene so beliebt ist
ABS ist in der Custom-Szene weit verbreitet, vor allem wegen des Klangs: ABS hat ein wärmeres Klangprofil als PBT, und viele Kunden bevorzugen genau diesen Sound. In Deutschland ist PBT bei den meisten Kunden sehr beliebt – je tiefer man in die Custom-Keyboard-Welt eintaucht, desto beliebter wird aber ABS. Weltweit sind ABS-Keycaps deutlich gefragter als PBT-Keycaps.
Auch der Glanz ist weniger dramatisch, als sein Ruf vermuten lässt. ABS glänzt nicht „sofort“: Manche sehen nach wenigen Wochen erste Spuren, andere nutzen ein Set ein Jahr oder länger, bevor sich etwas zeigt – das ist sehr individuell. Und Glanz ist nicht zwangsläufig schlecht: Er gibt einem Set Charakter und zeigt, dass es benutzt wird.
Wichtig ist der Unterschied zu günstigen Keycaps: Der Glanz hochwertiger ABS-Sets ist nicht mit dem zu vergleichen, was man von typischen ABS-Tasten auf Fertigtastaturen großer Hersteller kennt. Dort glänzen die Tasten oft sehr schnell, Zeichen nutzen sich ab und Farbe geht ab. Das alles gibt es bei den ABS-Sets in unserem Shop nicht – wir arbeiten nur mit Herstellern zusammen, die hochwertiges ABS verwenden und Spritzguss auf höchstem Niveau betreiben.
PBT Keycaps: glänzen langsamer, robust und hitzebeständig
PBT gilt als einer der härtesten und langlebigsten Kunststoffe für Keycaps. Es bekommt in der Regel langsamer Glanz als ABS – wie schnell, hängt auch von der Oberflächentextur ab. Dafür ist PBT empfindlicher gegen Kratzer, etwa mit Werkzeug oder dem Fingernagel. Außerdem ist PBT beständiger gegen Hitze und Chemikalien als ABS.
Genau diese Hitzebeständigkeit macht PBT zum Standardmaterial für Dye-Sub-Legenden (dazu gleich mehr). In der Fertigung ist PBT dagegen anspruchsvoller: Es schwindet beim Abkühlen stärker und kann sich verziehen, weshalb große Tasten wie die Leertaste schwieriger herzustellen sind. Auch Double-Shot-PBT gibt es. Bei uns findest du es bei allen KAP Keycap Sets und bei PBTfans WoB, BoW und Maguro.
Glatt oder rau? Das entscheidet die Spritzgussform
PBT und ABS können beide glatt oder rau sein. Ob sich eine Keycap griffig oder glatt anfühlt, hängt nicht vom Kunststoff ab, sondern von der Spritzgussform und der Oberflächentextur, die der Hersteller dafür gewählt hat. Unter dem Mikroskop besteht jede Keycap-Oberfläche aus vielen kleinen „Bergen“: Liegen sie dicht beieinander, fühlt sich die Taste glatter an. Ist mehr Abstand dazwischen, spürst du die Textur deutlicher. Der einzige Unterschied durchs Material: ABS wird beim Tippen in der Regel schneller glatt als PBT.
Weil die Form entscheidet, unterscheidet sich die Haptik vor allem zwischen den Marken. In unserem Sortiment, von griffig nach glatt: PBTFans Double-Shot, SWG, MK Dye-Sub und KCH v2, MW, KCH v1, PBTFans Dye-Sub und KAP. Die Einordnung steht auch auf den Produktseiten unter „Gut zu wissen“.
Klingen PBT Keycaps tiefer als ABS?
Nicht unbedingt. Aus unserer Erfahrung hat ABS ein wärmeres Klangprofil als PBT – ein Grund, warum ABS in der Custom-Szene so beliebt ist. Die Beschreibungen in der Community gehen aber auseinander, und Messungen dazu gibt es nicht. Mindestens genauso viel Einfluss haben die Wandstärke der Caps, die Switches, das Gehäuse und die Dämpfung. In unserem Sortiment liegen die Wandstärken etwa zwischen 1,3 und 1,7 mm; die Angabe findest du in den Spezifikationen jedes Sets.
Wie Switches und Aufbau den Sound prägen, liest du in unseren Ratgebern zu Tastatur-Switches und Gasket Mount und Tastatur-Sound.
Legenden: So kommt die Beschriftung auf die Keycap
Die Legende ist die Beschriftung einer Taste. Das Verfahren entscheidet, ob sie sich abnutzt, wie scharf sie ist und welche Farbkombinationen möglich sind. Der wichtigste Unterschied: Steckt die Legende im Material oder liegt sie nur darauf?
Double-Shot Keycaps
Bei Double-Shot werden zwei verschiedenfarbige Kunststoffe nacheinander in die Form gespritzt: einer für die Legende, einer für die äußere Farbschicht der Taste. Die Farben sind dadurch sauber getrennt, die Legenden klar abgesetzt und auch nach jahrelanger Nutzung noch gut lesbar. Double-Shot ist das Verfahren mit den kräftigsten Farben. Sie ist bündig mit der Oberfläche und sehr kontrastreich – auch helle Schrift auf dunklen Caps ist kein Problem. Erkennen kannst du Double-Shot-Keycaps an der Unterseite: Innen sind beide Farben zu sehen, je nach Form auch Öffnungen oder die Umrisse der Legende. Das ist fertigungsbedingt.
Wie viel das kostet, hängt von der Menge und der Spritzgussform ab. In kleinen Auflagen ist Double-Shot das teuerste Verfahren, in großen Mengen kann es sogar günstiger sein als Dye-Sub. Günstige Hersteller spritzen ein ganzes Set in einer Form und einem Arbeitsgang, deshalb haben ihre Sets meist dieselbe Tastenauswahl. Premium-Hersteller haben für jede Taste eine eigene Form und stellen Sets individuell zusammen. Das bringt Qualität und Vielfalt, aber auch einen höheren Preis. Weil jede zusätzliche Taste eine eigene Form braucht, gibt es Sondertasten und Novelties oft nur in eigenen Kits, oder sie werden gedruckt. Mit einem dritten Kunststoff wird aus Double-Shot Triple-Shot, etwa für mehrfarbige Zweitbelegungen wie beim KKB Cross Impact.
Dye-Sub (Dye-Sublimation)
Beim Dye-Sub-Verfahren treibt Hitze den Farbstoff in den Kunststoff. Die Legende liegt also im Material und reibt sich nicht ab. Mehrfarbige Legenden und viele Motive sind damit einfach möglich. Weil die Ausgangs-Cap immer hell ist und nachträglich gefärbt wird, sind die Farben meist nicht ganz so intensiv wie bei Double-Shot. Weil dafür hohe Temperaturen nötig sind, kommt Dye-Sub bei PBT zum Einsatz – andere Kunststoffe würden weich werden. Eine Einschränkung gibt es: Die Farbe muss dunkler sein als die Cap. Dunkle Schrift auf hellen Caps wie beim MK Black on White geht also, helle Schrift auf dunklen nicht. Aggressive Chemikalien wie Säuren können Dye-Sub-Legenden angreifen.
Für helle Legenden auf dunklem PBT gibt es Reverse-Dye-Sub: Hier wird alles außer der Legende eingefärbt (auch „5-Side-Print“ genannt), zum Beispiel beim PBS WoB. Großflächige Farbverläufe an den Seitenwänden kommen vor allem bei billigen Herstellern vor. Keyreative, PBTFans und MW haben den Prozess und die Spritzgussformen der Ausgangs-Caps so optimiert, dass die Farbe besser haftet und Verläufe heute kaum noch auffallen. Einzelne Legenden können bei Dye-Sub minimal anders sitzen als auf der Nachbartaste, das ist verfahrensbedingt. Weil fast die ganze Taste gefärbt wird, braucht Reverse-Dye-Sub mehr Farbe und hat mehr Ausschuss – es ist deshalb teurer als normales Dye-Sub.
UV-Druck
Beim UV-Druck wird die Legende als Schicht oben auf die Cap gedruckt, mit UV-Licht gehärtet und mit einer Härteschicht haltbar gemacht. So sind vollfarbige Motive möglich, auch helle Farben auf dunklem Grund und Drucke auf transparentem ABS wie beim PBTfans G3. Weil die Legende auf der Oberfläche liegt, kann sie sich mit der Zeit ablösen.
Laser und Pad-Print
Diese beiden Verfahren kennst du wahrscheinlich von Serientastaturen. Beim Pad-Print (Tampondruck) überträgt ein Gummistempel die Farbe auf die Taste. Es ist das günstigste und bei Serienware häufigste Verfahren – und der Grund für abgegriffene Buchstaben auf alten Tastaturen, denn die Farbe dringt nicht ein. Beim Lasern wird der Kunststoff angekohlt, aufgeschäumt oder graviert und die Rille mit Farbe gefüllt. In unseren Keycap-Sets kommen Laser und Pad-Print nicht vor.
PBT vs. ABS Keycaps im Überblick
| ABS | PBT | |
|---|---|---|
| Oberfläche | glatt bis rau – hängt von der Spritzgussform ab, nicht vom Material | |
| Glanz durch Nutzung (Shine) | in der Regel schneller | in der Regel langsamer |
| Kratzer (Werkzeug, Fingernagel) | eher kratzfest | empfindlicher |
| Farben | besonders kräftig, tiefes Schwarz | bei Dye-Sub meist weniger intensiv |
| Hitze und Chemikalien | weniger beständig | beständiger |
| Fertigung | schwindet wenig, ideal für Double-Shot und lange Tasten | schwindet stärker, kann sich verziehen |
| Typische Legenden | Double-Shot, UV-Druck | Dye-Sub, seltener Double-Shot |
| Klang | wärmer – von vielen Kunden bevorzugt | je nach Set und Wandstärke |
| Legende | Prinzip | Abnutzung | Bei MonacoKeys |
|---|---|---|---|
| Double-Shot | zwei Kunststoffe nacheinander gespritzt | keine | die meisten ABS-Sets; in PBT KAP und PBTfans WoB, BoW, Maguro |
| Dye-Sub | Farbstoff mit Hitze ins Material getrieben | praktisch keine | die meisten PBT-Sets |
| UV-Druck | Schicht aufgedruckt, UV-gehärtet und versiegelt | kann sich mit der Zeit ablösen | einzelne Sets und Novelties |
| Laser | Kunststoff angekohlt, aufgeschäumt oder graviert | je nach Variante | nicht in unseren Sets |
| Pad-Print | Farbe mit Gummistempel aufgetragen | reibt sich ab | nicht in unseren Sets |
Welche Keycaps passen zu mir?
- Du magst eine griffige, spürbar texturierte Oberfläche: das entscheidet die Marke, nicht das Material – etwa PBTFans Double-Shot oder SWG.
- Deine Tasten sollen möglichst lange nicht glänzen: PBT.
- Du willst kräftige Farben und kontrastreiche Legenden, auch hell auf dunkel: Double-Shot – klassisch in ABS, etwa beim KKB Dolch.
- Du willst Double-Shot und langsamen Shine: Double-Shot-PBT wie das KAP WoB.
- Du suchst viele Farben und Motive auf den Tasten: Dye-Sub auf PBT oder UV-Druck.
- Du magst es glatt: zum Beispiel KAP. Bei ABS gehört Shine mit der Zeit einfach dazu.
Neben dem Material bestimmt das Profil, also Form und Höhe der Tasten, wie sich ein Set tippt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Keycap-Profilen. Alle Sets findest du unter Keycaps, Sets mit deutscher Belegung unter Keycaps mit QWERTZ-Layout (ISO-DE).
FAQ: PBT vs. ABS Keycaps
Ist PBT besser als ABS?
Nicht pauschal. PBT glänzt langsamer und ist hitzebeständiger, aber kratzempfindlicher. ABS ist kratzfester, zeigt kräftigere Farben, eignet sich hervorragend für Double-Shot-Legenden und verzieht sich bei langen Tasten kaum – glänzt aber schneller. Beide Materialien ergeben hochwertige Keycaps, wenn Wandstärke und Fertigung stimmen.
Nutzen sich Double-Shot-Legenden ab?
Nein. Die Legende besteht aus einem eigenen Kunststoff, der durch die ganze Wand der Taste geht. Auch Dye-Sub-Legenden liegen im Material und reiben sich praktisch nicht ab. Aufgedruckte Legenden können sich dagegen mit der Zeit abnutzen.
Ist Double-Shot teurer als Dye-Sub?
Nicht zwangsläufig. Von den Verfahren in unseren Sets ist UV-Druck in der Regel am einfachsten und günstigsten. Dye-Sub ist in kleinen Mengen sehr teuer und wird mit der Menge schnell günstiger, Reverse-Dye-Sub kostet wegen der vielen Farbe mehr. Double-Shot ist bei kleinen Auflagen am teuersten, kann in großen Mengen aber günstiger sein. Den Preis treiben vor allem die Spritzgussformen: eine eigene Form pro Taste ermöglicht individuelle Sets und hohe Qualität, kostet aber mehr.
Ist PBT rauer als ABS?
Nein, nicht automatisch. Beide Kunststoffe können glatt oder rau sein – das bestimmt die Spritzgussform mit ihrer Oberflächentextur. Deshalb fühlen sich Sets verschiedener Marken unterschiedlich an, auch wenn sie aus demselben Material sind.
Warum glänzen meine ABS-Keycaps?
Durch das Tippen werden die Oberflächen der meistgenutzten Tasten glatt und glänzend. ABS bekommt diesen Shine in der Regel schneller als PBT – wann, ist sehr individuell: bei manchen nach wenigen Wochen, bei anderen nach einem Jahr oder später. Das ist normaler Verschleiß, kein Mangel, und gibt dem Set Charakter. Mit dem schnellen Glanz und abgeriebenen Zeichen günstiger Serientastaturen hat das nichts zu tun. Wenn du Glanz möglichst lange vermeiden willst, greif zu PBT mit spürbarer Textur.
Leuchten die Legenden bei RGB-Beleuchtung durch?
Bei unseren Sets nicht. Weder Dye-Sub-PBT noch unsere Double-Shot-Sets sind Shine-Through, auch nicht die PBTfans-Sets mit transparenter Oberseite. Das Licht scheint zwischen den Tasten hindurch.























