Wer ungeschmierte Switches lubt, also schmiert, macht aus einem guten Switch oft einen sehr guten: Ein hauchdünner Film aus Fett nimmt das Kratzen aus dem Tastenweg, der Klang wird meist tiefer, und ein Tropfen Öl auf der Feder beseitigt das metallische Pingen. Es kommt auf das richtige Schmiermittel, die richtigen Stellen und vor allem die richtige Menge an. Hier erfährst du, wie du Switches lubst, wofür Krytox 205g0, 105-Öl und Switch Films gut sind – und welche Fehler du dir sparen kannst.
Warum Switches luben?
In einem Switch gleiten Kunststoffteile aufeinander: Der Stem läuft mit seinen Schienen in Führungen im Gehäuse, die Feder reibt an ihrer Aufnahme. Ungeschmiert kann sich das kratzig anfühlen, die Feder kann nachschwingen und „pingen“. Lube reduziert diese Reibung. Fett glättet das Kratzen und dämpft den Klang, Öl auf der Feder nimmt den Spring Ping, ohne den Sound groß zu verändern.
Was Lube nicht kann: ein wackelndes Gehäuse oder einen lockeren Stem festziehen. Gegen Gehäuse-Wackeln gibt es Switch Films (mehr dazu weiter unten), ein lockerer Stem bleibt locker.
Muss ich meine Switches luben?
Nein, und bei aktuellen Switches raten wir eher davon ab. Fast alle Switches in unserem Shop sind ab Werk geschmiert und sofort einsatzbereit. Selbst luben ist bei ihnen im Regelfall überflüssig und macht sie eher schlechter: Bei HMX zum Beispiel sind die Toleranzen der Gehäuse so gut, dass schon das Öffnen eher negative Folgen hat. Heute werden vor allem ungeschmierte Cherry-Switches gelubt, gefilmt und mit neuen Federn bestückt, etwa unsere Cherry MX2A Black, eine Sonderproduktion komplett ohne Lube. Unsere Empfehlung: Kauf lieber aktuelle Switches aus unserem Sortiment und lube selbst nur, wenn du Spaß am Hobby und an der Arbeit hast oder das perfekteste Ergebnis willst. Vorhandene Werks-Lube musst du vorher nicht entfernen, solange sie nicht verharzt oder verschmutzt ist.
Switch Lube: Krytox 205g0, 105-Öl und Co.
In der Szene haben sich Krytox-Schmierstoffe durchgesetzt: Öle und Fette auf PFPE-Basis (Perfluorpolyether), nicht leitend und sicher für Kunststoff. GPL 10x sind Öle, GPL 20x Fette – dasselbe Öl, verdickt mit PTFE-Pulver; GPL 205 basiert also auf GPL 105. Je höher die letzte Ziffer, desto zähflüssiger.
Wichtig ist der Zusatz g0: Er steht für die weiche Konsistenz Grade 0, etwa wie Senf. Das Standard-GPL-205 ist Grade 2 und eher wie Erdnussbutter – für Switches zu zäh. Wer irgendwo „Krytox 205“ ohne Grade-Angabe kauft, bekommt fast immer g2 und wundert sich danach über träge Switches. Für Switches also immer 205g0.
| Schmiermittel | Was es ist | Wofür |
|---|---|---|
| Krytox 205g0 | weiches Fett (Grade 0) | Standard für lineare Switches: Stem- und Gehäuse-Schienen; auch für Stabilizer-Housings |
| 205g0 + 105g0 gemischt | flüssigere Mischung | taktile Switches, sehr sparsam |
| Tribosys 3203 / 3204 | Fett, dünner als 205g0 | Alternative für taktile Switches (3203 dünn, 3204 als Allrounder) |
| GPL 105 (105g0) | Öl, Grundöl von 205 | Federn (Bag Lube) gegen Spring Ping |
| GPL 205 Grade 2 | zähes Fett | nicht für Switches – zu zäh |
| XHT-BDZ | sehr dickes Fett | nie für Switches – nur für Stabilizer-Bügel |
Die Faustregel: dünnere Schmierung für taktile Switches, etwas zähere für lineare. Bei uns findest du 205g0 als 5-g-Dose und als Lube Pen mit Pinselspitze, dazu das MK 105g0 Federöl in der Pipettenflasche. Alles zusammen in der Kollektion Schmiermittel.
Wo Lube hin darf – und wo nicht
Die Grafik zeigt einen zerlegten MX-Switch mit den wichtigsten Punkten:
- Stem-Schienen: dünn mit 205g0, bei taktilen Switches nur sehr sparsam oder mit 105g0 gemischt.
- Stem-Beine: bei Linears dünn. Bei taktilen Switches gar nicht – Lube auf den Beinen dämpft den Druckpunkt.
- Schienen im Gehäuse unten: dünn mit 205g0, bei taktilen Switches nur sehr sparsam.
- Feder: dünn mit 205g0 einstreichen oder mit Öl im Beutel schütteln (siehe unten).
- Gehäuse oben: meist nicht nötig.
- Kontakte (Leaf): Die Kontaktzone ist tabu. Krytox leitet nicht – eine Schicht genau am Kontaktpunkt kann dazu führen, dass die Taste nicht mehr zuverlässig auslöst. Bei taktilen Switches bleibt das Leaf trocken – höchstens die Rückseite bekommt einen Hauch Lube, falls das Leaf selbst pingt.
Ein guter Anhaltspunkt für die Menge: etwa ein Fingerabdruck pro Schiene. Siehst du weiße Spuren oder Klümpchen, ist es zu viel.
Clicky Switches: Finger weg vom Klick
Clicky Switches lubst du nur sehr sparsam und nie am Klick-Mechanismus. Bei den meisten Modellen ist das das Click Jacket, eine bewegliche Hülse am Stem. Bekommt sie Fett ab, ist der Klick weg. Laut Berichten lässt Cherry deshalb sogar den MX Blue ohne Werks-Schmierung. Wie Clickies funktionieren, zeigen wir im Ratgeber Tastatur-Switches: Unterschiede der Switch-Typen.
Federn luben: Bag Lube gegen Spring Ping
Das metallische „Pling“ beim Tippen entsteht, wenn die Feder im Gehäuse schwingt oder an ihrer Aufnahme reibt. Die einfachste Lösung ist Bag Lube: Federn mit etwas Öl (105 oder 106) in einen Zip-Beutel geben und schütteln. Als Menge reicht etwa ein Tropfen auf zehn Federn bzw. 0,1 bis 0,15 ml auf 100 Federn. Ziel ist nur, den Ping zu beseitigen, nicht die Feder zu tränken.
Noch einfacher sind gute Federn: Unsere Kaidi KOS Switch Springs aus koreanischem Edelstahl pingen schon ohne Lube fast gar nicht. Gerade für Cherry-Switches sind sie ein echtes Upgrade.
Pingt es trotzdem, ist nicht immer die Feder schuld: Ein klapperndes oder pingendes Leaf klingt ähnlich. Dann hilft ein Hauch Lube auf der Rückseite des Leafs oder ein Switch Film.
Switch Films: wann sie helfen
Switch Films sind dünne Zwischenlagen zwischen Gehäuseober- und -unterteil. Sie füllen den Spalt, der durch Fertigungstoleranzen oder häufiges Öffnen entsteht. Dadurch wackelt das Gehäuse beim Tippen nicht mehr, und auch ein mögliches Klappern des Leafs verschwindet. Der Klang wird meist etwas tiefer und fokussierter – der Effekt ist aber kleiner als der von Lube.
Ob deine Switches Films brauchen, zeigt der Wackeltest: Gehäuseunterteil festhalten und das Oberteil bewegen. Bewegt es sich nicht, bringen Films nichts. Films brauchst du größtenteils nur bei älteren Switches mit schlechten Toleranzen. Aktuelle Switches schließen meist stramm genug, besonders enge Gehäuse wie bei HMX brauchen keine. Unsere TX Switch Films sind 0,15 mm dünn und passen für die meisten MX-Switches; sehr enge Gehäuse brauchen dünnere Films um 0,125 mm. Zu dicke Films verhindern, dass die Clips sauber einrasten.
Den Film legst du mit der Pinzette so auf das geöffnete Gehäuseunterteil, dass beide Schienen innerhalb liegen. Liegt er falsch herum, steht ein Teil über und knirscht beim Drücken.
Werkzeug zum Switches luben
Du brauchst einen Switch-Opener (Cherry- oder Kailh-Style – die beiden passen nicht untereinander), einen feinen Pinsel in Größe 0 oder 00, einen Stem-Halter und eine Pinzette. Praktisch ist eine Lube-Station, die die Gehäuse sortiert hält, für Hot-Swap-Boards zusätzlich ein Switch-Puller.
Das meiste davon steckt in der Keyboard Tool Collection (Pinsel, Pinzette, Switch-Puller, Keycap-Puller, Switch-Opener, Stem-Halter). Robuster aus Metall ist das TX Keyboard Multi Tool mit Opener für beide Bauformen. Für ganze Boards lohnt sich die MonacoKeys Mini Lube Station mit Platz für 35 Switches. Mehr in der Kollektion Werkzeuge.
Switches luben: so gehst du vor
- Ausbauen: Aus einer Hot-Swap-Tastatur ziehst du die Switches mit dem Switch-Puller senkrecht nach oben, ohne zu hebeln.
- Öffnen: Switch auf den Opener drücken, Oberteil abheben; in der Lube-Station bleiben die Teile sortiert.
- Pinsel: ins Fett tauchen und abstreifen, bis er fast trocken wirkt.
- Gehäuse unten: Schienen dünn einstreichen, Kontakte aussparen.
- Stem: im Stem-Halter die Schienen dünn luben, bei taktilen Switches die Beine auslassen.
- Feder: per Bag Lube ölen oder dünn mit 205g0 einstreichen.
- Zusammensetzen: Die Beine des Stems müssen zum Leaf zeigen, sonst schaltet der Switch nicht. Oberteil aufrasten, alle vier Clips prüfen.
- Testen: erst ein paar Switches fertig machen und ausprobieren. Nachlegen geht immer, Überschuss entfernen ist mühsam.
Plane realistisch: Mit etwas Übung brauchst du ein bis drei Minuten pro Switch inklusive Öffnen und Schließen. Ein 60-%-Board mit 61 Switches kostet dich zwei bis drei Stunden, 70 bis 100 Switches einen Abend. Eine 5-g-Dose 205g0 reicht bei dünner Schicht für rund 500 Switches.
Typische Fehler beim Luben
- Zu viel Lube: Der Switch wird träge und schwammig, taktile Switches verlieren ihren Bump, der Klang wird dumpf. Abhilfe: Stem und Gehäuse mit Isopropanol reinigen und neu dünn luben.
- Falsches Fett: 205 ohne g0 ist meist Grade 2 und zu zäh.
- Beschädigte Clips: mit dem passenden Opener selten.
- Zu dicke Films: Das Gehäuse rastet nicht sauber ein oder steht unter Spannung.
Noch zwei Hinweise vorab: Öffnest und lubst du die Switches einer Fertigtastatur selbst, erlischt die Herstellergarantie. Und geöffnete oder geschmierte Switches gelten bei uns als gebraucht. Probier neue Switches deshalb erst ungeschmiert aus, bevor du eine ganze Charge lubst.
Welches Lube passt zu mir?
- Du hast lineare Switches: 205g0, dünn auf Stem- und Gehäuse-Schienen.
- Du hast taktile Switches: 205g0 nur sehr sparsam oder mit 105g0 gemischt – Beine auslassen, Leaf trocken lassen.
- Deine Switches pingen: 105-Öl für die Federn per Bag Lube – oder gleich bessere Federn wie die Kaidi KOS.
- Du hast Clicky Switches: am besten so lassen oder nur sehr sparsam, nie am Klick-Mechanismus.
- Das Gehäuse wackelt: Switch Films statt mehr Lube.
Häufige Fragen zum Switches luben
Muss ich neue Switches luben?
Nein. Fast alle Switches bei MonacoKeys sind ab Werk geschmiert, und selbst luben macht aktuelle Switches eher schlechter. Sinnvoll ist es vor allem bei ungeschmierten Switches wie den Cherry MX2A Black – oder wenn du Spaß am Hobby hast und das perfekteste Ergebnis willst.
Kann ich 205g0 auch für taktile Switches nehmen?
Ja, aber wirklich nur sehr sparsam und nie auf die Stem-Beine. Gern wird 205g0 auch mit 105g0 gemischt, damit es flüssiger wird. Alternativ gibt es dünnere Fette wie Tribosys 3203 oder 3204.
Brauche ich Switch Films?
Nur, wenn das Gehäuseoberteil spürbar wackelt – meist bei älteren Switches mit schlechten Toleranzen. Mach den Wackeltest mit ein paar Switches aus der Tüte – auch innerhalb einer Charge streut es.
Kann ich XHT-BDZ für Switches nehmen?
Nein. XHT-BDZ ist ein sehr dickes Fett und nur für die Metallbügel von Stabilizern gedacht: Es sorgt dafür, dass die Bügel die Housings nicht berühren und nicht klacken. Die Kunststoffteile der Stabilizer schmierst du mit 205g0.























