Gasket Mount steht inzwischen in fast jeder Beschreibung einer Custom-Tastatur. Aber was heißt das – und klingt eine Tastatur dadurch automatisch besser? „Mounting“ beschreibt, wie Plate (die Platte, in die die Switches einrasten) und PCB im Gehäuse befestigt sind. Das bestimmt, wie stark die Tastatur beim Tippen nachgibt, wie gleichmäßig sich das anfühlt und wie viel Vibration ins Gehäuse geht. Für den Tastatur-Sound ist das Mounting aber nur ein Baustein: Plate, PCB, Dämpfung, Switches und Keycaps spielen genauso mit. Hier siehst du in Animationen, wie die Mounting-Arten funktionieren, was Plate und Foam am Klang ändern und was hinter „thocky“ und „clacky“ steckt.
Tray, Top und Gasket Mount: die drei Klassiker
Tray Mount: Das PCB (und mit ihm die Plate) wird auf Abstandshalter, sogenannte Standoffs, im Bottom Case geschraubt. Das ist einfach und günstig, und bei 60 % lassen sich PCB und Case nach GH60-Standard oft frei kombinieren. Der Nachteil: An den Schrauben ist der Anschlag hart, dazwischen weicher – das Tippgefühl ist ungleichmäßig. Ein Beispiel ist das KBDfans Tofu60 Redux, in das unter anderem unser GH60-kompatibles MK60MX PCB passt.
Top Mount: Die Plate wird am Top Case verschraubt, das Gehäuse besteht also aus Top Case, Plate und Bottom Case. Das ergibt ein festes, gleichmäßiges Tippgefühl – das klassische Custom-Gefühl. Der Klang geht direkt ins Top Case. Beim isolierten Top Mount sitzen Silikon- oder Poron-Dämpfer zwischen Plate-Laschen und Case: kein Kontakt Metall auf Metall, aber trotzdem fest.
Gasket Mount: Die Plate (oder das PCB) liegt auf weichen Streifen aus Silikon oder Poron, den Gaskets, eingeklemmt zwischen Top und Bottom Case. Keine Schraube geht durch die Plate. Dadurch gibt die Tastatur beim Tippen im Regelfall spürbar nach, der Anschlag fühlt sich weicher an, und es läuft weniger Vibration ins Gehäuse. Wie weich genau, hängt von der Härte der Gaskets, der Plate und dem PCB ab. Die Mehrheit der Tastaturen in unserem Shop ist so aufgebaut.
Plate Gasket oder PCB Gasket: Beim Plate Gasket Mount sitzen die Gaskets an der Plate. Er funktioniert oft mit PCBs in Standardgrößen. Beim PCB Gasket Mount sitzen sie direkt am PCB, dafür braucht es immer ein spezielles PCB für genau dieses Board. Beide klingen etwas unterschiedlich. Welche Variante ein Board nutzt, wählt im Regelfall der Designer nach seiner Vorliebe für Klang und Tippgefühl.
Weitere Mounting-Arten: O-Ring, Leaf Spring, Plateless & Co.
- Bottom und Sandwich Mount: Die Plate wird am Bottom Case verschraubt bzw. zwischen Top und Bottom Case geklemmt – beides fest, ähnlich wie Top Mount.
- Leaf Spring Mount: Die Plate hat Federzungen (Blattfedern), die die Baugruppe federn – Flex ohne Gaskets, oft kombiniert mit Gaskets oder Silikon-Pads. Evo80 und Evo75 nutzen einen „Butterfly Leaf Spring“ mit langen Silikon-Gaskets, die QK80 Mk2 einen Leaf Spring Mount, der auf Steifigkeit ausgelegt ist.
- O-Ring Mount: Ein Silikon-O-Ring läuft um das Paket aus Plate und PCB und hält es per Reibung im Case. Das fühlt sich sehr weich und federnd an.
- PCBSnap: kleine Clips aus Silikon oder FKM, die direkt ans PCB geklemmt werden. PCBSnaps sind im Regelfall ein Drop-in-Ersatz für den O-Ring in O-Ring-Mount-Boards und verbessern Sound und Tippgefühl. Nuxros baut seine Tastaturen speziell auf diesen Mount, etwa die Nuxros +84. Das Nexus ist dafür konzipiert, kann alternativ aber auch Tray Mount. Viele Tray-Mount-Boards sind ebenfalls mit PCBSnaps kompatibel, auch wenn es nicht direkt angegeben ist – zum Beispiel das Tofu60 Redux und das Tofu60 Redux V2.
- Plateless: Ganz ohne Plate, das PCB wird per Gasket oder Schrauben gehalten. Am weichsten und gedämpft, braucht aber ein gelötetes PCB und 5-Pin-Switches, denn Hot-Swap-Sockel brauchen die Plate als Führung.
Gaskets, O-Ringe und Dämpfer werden mit einer Härte in Shore A angegeben: Je niedriger die Zahl, desto weicher. 30A ist weich und federnd, 50A der übliche Standard, ab 70A wird es spürbar fester. Ersatz-Gaskets, O-Ringe und Foams gibt es für viele Boards bei unseren Ersatzteilen.
Flex: Warum nicht jedes Gasket-Board gleich weich ist
„Flex“ heißt, dass die Tastatur beim Tippen spürbar nachgibt. Gaskets sorgen im Regelfall schon allein dafür. Noch mehr gibt die Tastatur nach, wenn Plate und PCB mitgehen: eine weiche Plate (PP, PC, POM oder FR4 mit Flex-Cuts) und ein PCB mit 1,2 mm oder mit Flex-Cuts. Mit Aluminium-Plate und 1,6-mm-PCB ohne Flex-Cuts bleibt ein Gasket-Board dagegen fester.
Flex-Cuts sind lange Schlitze in Plate oder PCB, zum Beispiel zwischen den Tastenreihen. Sie machen den Anschlag weicher und den Klang tiefer, weil die Baugruppe tiefer schwingt – aber nur, wenn das PCB mitgeht. Die Rainy75 kombiniert zum Beispiel Gasket Mount mit einer FR4-Plate mit Flex-Cuts und einem 1,2-mm-PCB mit Flex-Cuts.
Plate-Material: der Grundklang deiner Tastatur
Die Plate prägt den Grundklang stärker als jede Dämpfungsfolie. Die Grundregel: Dichte, steife Materialien wie Metalle klingen höher und fühlen sich beim Durchdrücken härter an. Weiche Kunststoffe klingen tiefer und gedämpfter und federn mit. Dickere Plates sind fester und klingen höher als dünnere aus demselben Material. Von weich nach fest:
- PP, PC, POM: weich, gedämpft und tief – PP mit dem meisten Flex, PC (Polycarbonat) lässt RGB durch, POM klingt „creamy“.
- FR4: das Glasfaser-Epoxid, aus dem auch PCBs bestehen – der ausgewogene Mittelweg mit moderatem Flex.
- Aluminium: der Standard: fest, präziser Anschlag, helle Akustik.
- Messing, Kupfer, Stahl: sehr fest und schwer, voller bis metallischer Klang mit betonten Höhen.
- Carbon: leicht und steif, eher heller Klang – wie fest genau, hängt stark von Gewebe und Dicke ab.
Unsere eigenen MK60MX & GH60 Plates und MK65MX & MK65MXW Plates gibt es in PP, Aluminium und FR4. Weitere Plates findest du in der Kollektion Keyboard Plates. Wichtig: Bei Top und Gasket Mount sind Plates meist genau auf ein Case zugeschnitten, frei tauschen lassen sie sich vor allem bei standardisierten Tray-Mount-Boards (GH60).
Dämpfung: Foam, Switch-Pads und Force-Break
Der Klang entsteht aus Switch (Anschlag und Zurückfedern), Keycap, Plate, PCB und dem Hohlraum im Gehäuse. Dämpfungsmaterial verändert, was davon hörbar bleibt. Viele Fertig-Tastaturen haben mehrere Lagen Foam ab Werk.
- Case-Foam: liegt im Bottom Case unter dem PCB, zum Beispiel aus Poron, EVA, Silikon oder Kork. Er füllt den Hohlraum und nimmt Resonanz und Nachhall – gegen den „hohlen“ Klang.
- Plate-Foam: sitzt zwischen PCB und Plate, mit Ausschnitten für die Switches. Er dämpft Vibrationen zwischen den beiden und nimmt Höhen.
- Switch-Pad (PE-Foam, IXPE): eine sehr dünne Folie direkt zwischen Switch-Unterseite und PCB. Sie reflektiert den Schall nach oben, der Klang wird „poppy“ und der Anschlag cremiger. Bei Hot-Swap sollte sie nur etwa 0,5 mm dick sein, damit die Pins noch sicher in den Sockeln sitzen.
- Force-Break-Pads: dünne Pads oder Tape an den Kontaktstellen von Top und Bottom Case. Sie unterbrechen den Kontakt Metall auf Metall und helfen gegen „Case-Ping“, das metallische Nachklingen des Gehäuses.
Foam macht leiser und tiefer, aber auch gleichförmiger – manche Hersteller setzen deshalb bewusst auf eine optimierte Klangkammer, die ohne Foam gut klingt, etwa die Neo65 Core Plus. Foam liegt trotzdem bei, damit du das Board nach deinem Geschmack tunen kannst. Und Foam ersetzt kein Stabilizer-Tuning und kein Schmieren: Klappernde Stabilizer und Ping aus den Switch-Federn bleiben hörbar. Gegen den Federping hilft Lube, mehr dazu in unserer Anleitung Switches luben.
Zwei Warnungen aus der Praxis: Weißer PE-Verpackungsschaum kann sich statisch aufladen und das PCB beschädigen – nimm lieber ein fertiges IXPE-Switch-Pad. Und vom Tape-Mod (Malerkrepp auf der PCB-Rückseite) raten wir ab: Er macht den Klang etwas poppiger, aber Bauteile und Chips auf dem PCB können darunter überhitzen und beschädigt werden. Vor ein paar Jahren war er beim Tunen günstiger Tastaturen verbreitet. Heute sind fast alle Tastaturen ab Werk auf Klang optimiert, der Tape-Mod wird nicht mehr gebraucht.
Thocky oder clacky: Wie klingt ein Thocky Keyboard?
Für den Sound hat die Community eigene Wörter:
- Clacky: hell, viel Hochton – eher bei dichten, steifen Materialien.
- Thocky: tief und voll – eher bei weichen Materialien und viel Dämpfung.
- Hollow: hohl, die Resonanz eines leeren Gehäuses.
- Pingy: metallisches Nachklingen von Gehäuse oder Federn.
Das sind Beschreibungen, keine Messwerte – zwei Leute meinen mit „Thock“ nicht immer dasselbe. Wer ein Thocky Keyboard möchte, greift eher zu einer weicheren Plate (PP, PC, POM), Case-Foam und eventuell einem IXPE-Switch-Pad. Für einen helleren, klackigeren Sound passen steife Plates wie Aluminium oder Messing und weniger Dämpfung. Auch die Switches und die Keycaps tragen ihren Teil zum Klang bei.
Mounting-Arten im Vergleich
| Mounting | Befestigung | Tippgefühl | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Tray Mount | PCB auf Standoffs im Bottom Case | an den Schrauben hart, dazwischen weicher | einfach, günstig, bei 60 % oft GH60-kompatibel |
| Top Mount | Plate am Top Case verschraubt | fest und gleichmäßig | Klang geht direkt ins Top Case |
| Gasket Mount | Plate (oder PCB) auf Silikon- oder Poron-Streifen | weicher, gibt spürbar nach | weniger Vibration im Gehäuse |
| Leaf Spring | Federzungen in der Plate | Flex ohne Gaskets | oft mit Gaskets kombiniert |
| O-Ring | Silikonring um Plate und PCB | sehr weich und federnd | Härte des O-Rings bestimmt das Gefühl |
| PCBSnap | Clips aus Silikon oder FKM am PCB | weich, entkoppelt | Drop-in-Ersatz für O-Ring, oft auch in Tray-Mount-Cases |
| Plateless | keine Plate, nur PCB | am weichsten | gedämpfter Klang, nur mit gelötetem PCB |
Welches Mounting passt zu mir?
Gasket Mount ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Bauart. Fest und direkt oder weich und nachgiebig – das ist Geschmackssache.
- Du magst einen festen, präzisen Anschlag: Top Mount, am besten mit Aluminium-Plate.
- Du willst spürbaren Flex und einen tiefen Sound: Gasket, O-Ring oder Leaf Spring mit weicher Plate und flexiblem PCB – zum Beispiel die Evo80 mit PP-Plate, Flex-Cut-PCB und mehrlagigem Foam ab Werk.
- Du kannst dich nicht entscheiden: Manche Kits liefern zwei Systeme mit, etwa Neo75 und Neo98 (Gasket und Top Mount) oder das Typface Kafka (Gasket oder O-Ring).
- Du baust gern selbst und willst Teile tauschen: ein Tray-Mount-Case nach GH60-Standard, dazu PCB und Plate nach Wahl.
Alle Gehäuse findest du unter Keyboard Cases, einzelne Bauteile unter Komponenten.
Häufige Fragen zu Gasket Mount und Tastatur-Sound
Ist Gasket Mount besser als Top Mount?
Nicht besser, sondern anders. Gasket Mount ist weicher und vom Gehäuse entkoppelt, Top Mount fester und direkter. Wie sich eine Tastatur am Ende anfühlt, entscheidet die Kombination aus Mounting, Plate-Material und PCB.
Mein Gasket-Board flext kaum – ist es defekt?
Wahrscheinlich nicht. Mit Aluminium-Plate und 1,6-mm-PCB ohne Flex-Cuts gibt auch ein Gasket Mount nur etwas nach. Eine weichere Plate (PP, PC) oder weichere Gaskets mit niedrigerer Shore-A-Zahl ändern das.
Kann ich das Mounting später wechseln?
Nur, wenn dein Kit beide Systeme mitliefert oder es das passende Ersatzteil gibt. Bei Top- und Gasket-Mount-Boards müssen Plate und PCB genau zum Gehäuse passen. O-Ring- und viele Tray-Mount-Boards lassen sich oft mit PCBSnaps umrüsten.
Wie wird meine Tastatur thockiger?
Weichere Plate, Case-Foam und eventuell ein IXPE-Switch-Pad – sofern es passende Teile für dein Board gibt. Viel Foam macht den Klang aber auch gleichförmiger.























